Bœuf bourguignon – nicht von Julia Child

Geradezu ketzerisch kommt man sich vor, wenn man als Blogger nicht die Version des Bœuf bourguignon von Julia Child nachkocht – bekannt geworden durch den Film Julie und Julia.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich den Film nicht umwerfend finde und mir die zickige Bloggerin Julie gehörig auf die Nerven geht, einzig Meryl Streep ist darin mal wieder ganz grandios.
Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich es für unmöglich halte, jeden Tag ein Gericht der klassischen französischen (und damit oft sehr aufwändigen!) Küche zusätzlich zu einem normalen Fulltime Job zu kochen.

Trotzdem weckte dieser Film eine große Schmacht für dieses saucenträchtige Schmorgericht, das ein klein wenig aufwändiger ist, aber wirklich das bisschen Mühe mehr lohnt.

Noch etwas attraktiver als die Version von Julia Child fand ich diese des unbekannten „Hausmanns“ auf küchengötter.de – Wolfgang Kaquu hatte ich erst in Verdacht, aber er ist es nicht…
An diesem Rezept hat mir einfach alles zugesagt, es liest sich schon so „rund“ und genauso schmeckt es auch.
Einfach wunderbar und ganz genau das richtige für lange, dunkle Herbst- und Winterabende.

Für dieses Gericht habe ich ein Stück von der Schulter, Dicken Bug, genommen und das Fleisch war toll dafür. Trotz der langen Schmorzeit war es nicht nur butterzart, sondern auch sehr saftig.

Die karamellisierten Zwiebelchen und sautierten Champignons geben dem Gericht noch den letzten Schliff,  Karotten habe ich leider beim Einkauf vergessen, es war aber auch ohne sehr gut und ich würde sie nächstes Mal wahrscheinlich wieder weglassen, weil es einfach so perfekt war.
Danke lieber unbekannter Hausmann für dieses perfekte Rezept!

Dazu gab es bei mir ein paar schlichte La Ratte und Buttererbsen.

ca. 1 bis 1,3 kg Schulterfilet (wird empfohlen, ich habe aber dicken Bug genommen)
60 Gramm Butterschmalz
150 Gramm geräucherter Schinkenspeck
750 ml sehr guter trockener Spätburgunder
400 ml Rinderfond
50 Gramm Tomatenmark
2 Zwiebeln , gewürfelt
4 Knoblauchzehen, in feine Scheibchen geschnitten
4 EL Noilly Prat
1 Bouquet garni (2 Lorbeerblätter, 3 Stängel Thymian, 3 Stängel Petersilie, 1 Stück Orangenschale)
1 – 2 TL Fleischextrakt oder Rinderglace (weggelassen, mMn nicht nötig)
5 Karotten, in Scheiben geschnitten
300 Gramm Perlzwiebeln (ersatzweise das Weiße von Frühlingszwiebeln oder kleine Schalotten)
1 Teelöffel Zucker
300 Gramm kleine braune Champignons, halbiert
30 Gramm Butter
Meersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 Bund Petersilie

Backofen auf 120°C vorheizen. Rinderfond in eine kleine Kasserolle geben und den Fond auf etwa 250 – 300 ml reduzieren.

Das Fleisch  in große Würfel (ca. 4 x 4 cm) schneiden.  Schinkenspeck erst in 5 mm dicke Scheiben und dann in Streifen schneiden.
In einem Bräter das Butterschmalz erhitzen und das Fleisch portionsweise rundum scharf anbraten. Fleisch wieder herausnehmen, dann die Speckstreifen in den Bräter geben. Kurz anbraten lassen und Fleisch wieder zufügen.
Zwiebelwürfel und Knoblauch hinein geben und anschwitzen lassen. Tomatenmark unterrühren. Mit 600 ml Rotwein ablöschen und reduzierten Rinderfond sowie Noilly Prat zugeben. Bouquet garni einlegen. Den Bräter verschließen und auf die untere Schiene des Backofens stellen. Das Boeuf 3 – 4 Stunden im Rohr sanft schmoren.
Ich habe, da mein Fleischstück etwas robuster war, die Temperatur auf 140° erhöht und das würde  ich genau so wieder machen.

Während der Schmorzeit die Gemüse vorbereiten:
In einer großen beschichteten Pfanne 10 Gramm Butter auslassen und die Champignons auf der Schnittseite bei mittlerer Hitze golden anbraten. Mit etwas Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen und kurz durchschwenken. Herausheben beiseite stellen.

In gleicher Pfanne wiederum 10 Gramm Butter auslassen, die Karottenscheiben zufügen, anschwitzen lassen, mit 1 – 2 Esslöffel Wasser ablöschen und etwa 5 – 10 Minuten offen dünsten, bis das Wasser vollständig reduziert ist. Auch in eine kleine Schüssel füllen.

Letztlich die Zwiebelchen aromatisieren: Dazu in der Pfanne wiederum 10 Gramm Butter auslassen und in der Butter den Zucker goldgelb karamelisieren. Mit dem restlichen Rotwein ablöschen, Zwiebelchen zufügen und alles sirupartig einkochen lassen. Mit etwas Salz und Pfeffer würzen und ebenfalls beiseite stellen.

Die so vorbereiteten Gemüse 45 Minuten vor Ende der Garzeit zu dem Boeuf geben und alles noch die restliche Zeit sanft garen lassen (ich gebe sautierte Champignons grundsätzlich aber immer erst kurz vor Schluss dazu, da sie mir sonst viel zu sehr verkochen, so auch hier).

Ist das Fleisch zart, Bräter aus den Ofen nehmen, das Bouquet garni enfernen, evt. mit Salz, Pfeffer und Fleischextrakt abschmecken, alles nochmals behutsam umrühren und das Boeuf bourguignon mit grob gehackter Petersilie bestreut servieren.

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29 Kommentare zu Bœuf bourguignon – nicht von Julia Child

  1. ninive sagt:

    hach, da läuft mir gleich am frühen Morgen das Wasser im Mund zusammen. Anfangs Dezember werde ich Rindfleisch holen, und dies Gericht schonmal auf die Karte setzen…. allerdings tausche ich Karotten gegen Champignons die ich sehr schlecht vertrage. Die karamellisierten Zwiebelchen gefallen mir besonders gut…..
    Schönes Wochenende (ich hab heut eine 24h-Schicht) ….

    • Britta sagt:

      Oje… sooo lange arbeiten?? das ist ja schrecklich. Ich wünsch dir, dass es schnell vorüber geht.
      Denk daran, morgen ist der 10. 😉

  2. Na du traust dich was ;-)! Mich hat der Film damals auch nicht recht überzeugt. Am besten haben mir noch die Szenen mit der jungen Julia Child in Frankreich gefallen.

  3. Nun bin ich ja erleichtert, dass es ausser mir noch Blogger gibt, die der Film nicht begeistert hat. Dafür begeistert mich aber Dein Boeuf Bourguignon. Ich würde es allerdings unbedingt mit Karotten machen, die sie diese dezente Süsse mitbringen.

  4. Susanne sagt:

    Am Film hat mich das Gleiche begeistert nämlich die umwerfende Meryl Streep. Ansonsten….
    Julia Child allerdings fand ich schon vorher genial. Aber da gerade Schmorgerichte-Zeit ist, landet das nicht-Julia-non auf meiner Liste 🙂

  5. Eva sagt:

    Ich oute mich einfach mal – ich kenne den Film nicht. 🙂
    Dein Schmorgericht vom unbekannten Hausmann hingegen ist gekauft, den Bug bestelle ich gleich beim Schlachter vor und dann kann’s losgehen. Danke!

  6. duni sagt:

    fand den film auch nicht so berauschend, aber burgunderfleisch koch ich gerne! ich orientiere mich nach einem rezept von thomas keller, bleibe also amerikanisch.

  7. Eline sagt:

    Den Film hab ich mir im Fernsehen nur zur Hälfte angesehen. Grandios fand ich den Ehemann der Julia Child, einen Schauspieler, dessen italienischen Namen ich trotz meiner Begeisterung für ihn immer vergesse. Bourgignon hab ich als unerfahrene Köchin erstmals nach Bocuse gemacht, später so wie es mir gerade gefiel.

    • Britta sagt:

      Hehe… das Bocuse Rezept hatte ich auch erst in Erwägung gezogen (das aus „Die neue Küche“), die riesigen Mengen an Speck haben mich dann aber ein wenig abgeschreckt, dich nicht?

  8. Und ich bin dann die Einzige, die den Film ganz witzig gefunden hat? o.o
    Unrealistisch war er natürlich. So ein Essen an einem Wochentag auf den Tisch zu stellen neben einem normalen Job halte ich für undenkbar.

    Ich hab noch nie Boeuf bourguignon gekocht, was seit diesem Film auf der Nachkochliste steht – so viel zum Thema Nachkochliste. Ich habe jeglichen Überblick verloren.

    • Britta sagt:

      Dann wird es aber mal Zeit, Susi!
      Aber der Winter ist ja noch lang, spätestens im Januar fangen immer an, die Ideen auszugehen und dann ist eine Liste ganz schön.

  9. lieberlecker sagt:

    Meine Fähigkeit kritisch zu sein, nimmt stark ab, sobald in einem Film gekocht wird. Deshalb fand ich Julie & Julia toll … 🙂 Noch toller finde ich allerdings Dein Boeuf bourguignon!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  10. Sandra Gu sagt:

    Kommt gleich mal auf die „Testen“-Liste, den bisher hatten wir nur die Variante von Julia Child 😉
    Ich lasse mich da aber gerne eines besseren belehren *g*

  11. WildeHenne sagt:

    Ich schliesse mich der Turbohausfrau und Andy an – mir hat der Film gefallen. Aber es ist schon so – Meryl Streep macht den Film aus.
    Bei Deinem Rezept gefällt mir der Noilly Prat in der Sauce – sehr speziell. 🙂

  12. Astrid sagt:

    Mmmmmhhh, danke für das leckere Rezept! Hatte ich gestern gekocht (meine Abwandlung: 3fache Menge Tomatenmark, Noilly Prat weggelassen, Rinderfond durch Hühnerbrühe ersetzt, Beilage Semmelknödel), war soooooooooo lecker!!! Dieses Gericht wird es im Winter sonntags bei mir noch viel öfter geben!
    Danke schön und liebe Grüsse!
    :))

  13. Sandra sagt:

    Merke: ein STÜCK Orangenschale heißt nicht eine KOMPLETTE Orangenschale.
    So war der Orangengeschmack leider sehr dominant. Aber ansonsten sehr sehr lecker!

  14. ninive sagt:

    endlich nachgekocht, mit umständehalber gewissen Änderungen, tolles Rezept in dem das wunderbare Fleisch klasse zur gektung kommt- ist ja auch eine alte französische Rinderrasse da konnte das garnicht anders als gut werden!

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