Die drei Köstlichkeiten der Prinzessin

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Es begab sich vor langer, langer Zeit  in Indien, dass sich eine Prinzessin unsterblich in einen Prinzen des Nachbarstaats verliebte.

Aber der Prinz war vor vielen Jahren schon verflucht worden durch eine böse Hexe, er konnte weder sehen noch hören, sondern nur noch schmecken und riechen.
Seine Augen waren seitdem mit einem grauen Schleier bedeckt und die Ohren wollten einfach nichts mehr hören.

Obwohl die Prinzessin wunderschön und klug war, war sie sehr traurig.
Sie wusste, dass ihr all das nichts nutzen würde, denn der Geliebte konnte weder ihr prächtiges, schwarzglänzendes Haar sehen, das ihr bis ihr über die Hüfte reichte noch den Schimmer ihrer makellosen Haut, die die Farbe eines Tees mit Milch hatte.

Auch die langen und geschwungenen Wimpern, die schmale Taille und ihre weißen Zähne, die beim Lachen wie eine Reihe Perlen blitzten, alles würde ihr nicht helfen, das Herz des Prinzen für sich zu gewinnen.

Auch ihre Klugheit und ihr Wissen, das sie durch ihre Worte und ihr Geschriebenes zum Ausdruck bringen konnte, würde nicht hilfreich sein.
Die Prinzessin versank für Monate in tiefe Trauer, da es ihr nicht gelingen wollte, die Liebe des Prinzen zu entfachen.

Da erschien ihr eines Nachts Lakshmi, die Göttin des Glücks und der  Schönheit.

„Prinzessin, ich kann dein Unglück nicht mehr mit ansehen und so möchte ich dir helfen, den Prinzen für dich zu gewinnen.
Der Bann der bösen Hexe kann gebrochen werden, wenn du ihm 3 Gerichte zubereitest, eines mild wie der kühle Herbstwind in Kashmir und Punjab, eines würzig und rot wie die Farben in Rajasthan und eines so scharf wie die brennende Sonne im Süden.
Jedes Gericht muss köstlich und einzigartig sein in Geruch und Geschmack, dann wird der Prinz seine Liebe zu dir erkennen und der Bann wird gebrochen sein.
Aber vergiss nicht, jede Speise muss mit den besten, frischesten Zutaten und Gewürzen zubereitet werden und du musst deine ganze Liebe, die du für den Prinzen hast, in diese Speisen legen.“

Die Göttin verschwand wieder und hinterließ nur eine einzelne Lotosblüte und ein kleines Fläschchen mit parfumiertem Öl, das herrlich nach Rosen, Vanille und Safran duftete.

Die Prinzessin machte sich den nächsten Tag sofort an die Arbeit. Jede einzelne Zutat wählte sie selbst mit größter Sorgfalt aus und bereitete drei wundervolle Curry-Gerichte zu, einen Fisch, mild wie der Wind im Norden und nussig mit viel Sesam, eine Eierspeise, würzig und rot wie die leuchtenden Farben von Rajasthan und ein Curry mit Gemüse und Cashewnuss, so scharf wie die brennende Sonne von Südindien.

Danach rieb sie sich am ganzen Körper mit dem duftenden Öl ein und machte sich auf den Weg zum Prinzen.

Als der Prinz den wunderbaren Duft der Prinzessin und der Speisen wahrnahm, begann sich sein Herz ein klein wenig zu öffnen.
„Wer seid Ihr und was duftet hier so?“
Der Prinz begann langsam, von den drei Gerichten zu essen und mit jedem Bissen öffnete sich sein Herz ein wenig mehr, der graue Schleier verschwand von seinen Augen und auch seine Ohren begannen nach und nach wieder zu funktionieren.

Als er aufgegessen hatte, sah er vor sich die wunderschöne Prinzessin, hörte ihre liebreizenden und klugen Worte und entbrannte sofort in tiefer Liebe zu ihr.
Der Bann der bösen Hexe war gebrochen und der Prinz und die Prinzessin lebten glücklich bis an das Ende ihrer Tage.

Die Geschichte ist mir eingefallen zu den drei leckeren Currys, die ich letzte Woche gemacht habe, es war wirklich eines köstlicher als das andere und Herr Kamafoodra hat sich fast überschlagen vor Begeisterung.
Dazu passt frisches, selbstgebackenes Naan-Brot oder/und Reis und eine Minz-Gurken-Raita.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Erobern eurer ganz persönlichen Prinzen und Prinzessinnen mit diesen Curry-Rezepten, es müssen ja nicht alle drei auf einmal sein, das war nämlich doch einige Arbeit  🙂
Und falls euch die Vorstellung eines Dufts mit Rosen, Vanille und Safran fasziniert, empfehle ich euch „Safran Troublant“ von L’Artisan Parfumeur zu testen, der hat mich nämlich dazu inspiriert.
Alle Rezepte sind (leicht abgewandelt) aus dem Buch „Currys“  von Madhur Jaffrey, Christian Verlag.

Sesamfisch:
1/2-1 TL Cayennepfeffer oder nicht zu scharfes Chilipulver
1/2 TL Kurkuma
2 EL Kokosraspel
1 TL gemahlener Koriander
50 g heller Sesam
Bio-Kokosfett oder Erdnussöl zum Fritieren
1 mittelgroße Zwiebeln, in halbe Ringe geschnitten
1 EL Erdnussbutter
2 cm frischer Ingwer, gehackt
2 Knoblauchzehen, gehackt
2-3 EL Tamarindenpaste, in ein wenig Wasser eingeweicht oder etwas Zitronen-/Limettensaft oder auch Reisessig
Salz
1/2 TL braune Senfsamen
1 TL Kreuzkümmel
300 g festfleischiges, weißes Fischfilet nach Wahl

Sesam in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis er anfängt zu duften und leicht goldbraun wird. Pfanne von der Herdplatte ziehen, Cayennepfeffer/Chili, Kurkuma, Kokosraspel und Koriander hinzufügen und 1 Minute in der heißen Pfanne rösten.
Die Sesam-Gewürzmischung in einem Mixer so fein wie möglich mahlen.

Kokos- oder Erdnussöl in eine Pfanne geben (mindestens 2 EL) und die Zwiebelringe auf hoher Temperatur knusprig braten. Zwiebeln herausnehmen, das Fett in der Pfanne lassen und beiseite stellen.
Zwiebeln mit Erdnussbutter, Ingwer, Knoblauch, Tamarindenpaste, 1 TL Salz und 150 ml heißem Wasser pürieren.

In der Pfanne bei mittlerer bis hoher Temperatur die Senfsamen anrösten, bis sie springen, Pfanne vom Herd nehmen, den Kreuzkümmel hinzugeben, ebenfalls kurz rösten, dann die Zwiebelpaste hinzugeben, die Sesam-Gewürzmischung und noch weitere 250 ml Wasser hinzufügen.
Kurz köcheln lassen, abschmecken, evtl. noch etwas Salz und Zucker hinzufügen, vielleicht auch noch etwas Säure.
Den Fisch in ca. 5 cm große Stücke schneiden und in der Sauce einige Minuten garziehen lassen, entweder auf dem Herd in einer großen Kasserole oder in einer Auflaufform o.ä. bei ca. 130° im Ofen.
Falls die Sauce zu dick ist, einfach noch etwas Wasser hinzufügen.

Eiercurry:
2 EL Bio-Kokosfett oder Erdnussöl
1 Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
4 Knoblauchzehen, zerdrückt
1 TL Koriander, gemahlen
1 TL Kreuzkümmel
1/2 TL Kurkuma
1/4 TL Chili, gemahlen
1-2 TL rotes Paprikapulver
4 EL Naturjoghurt
2 Handvoll Kirschtomaten oder 2 Tomaten im Sommer
200 ml Hühnerfond
1/4 TL Salz
100 ml Schlagsahne
1 Msp Zimt
5 Eier, gekocht, geschält und der Länge nach halbiert

Kokosfett in einer Kasserole erhitzen, die Zwiebeln darin goldbraun anbraten.
Knoblauch und Ingwer hinzugeben, Koriander, Kreuzkümmel, Kurkuma, Cayennepfeffer und Paprika hinzugeben, dann den Joghurt esslöffelweise einrühren.
Tomaten hinzugeben, zerfallen lassen, dann die Hühnerbrühe hinzufügen und ca. 15-20 Minuten einkochen lassen.
Sahne, Zimt hinzufügen, die Sauce abschmecken, Eierhälften mit dem Dotter nach oben hineinlegen und erwärmen, zum Schluss mit etwas Sauce übergießen,

Gemüsecurry aus Südindien:
2 EL gehackte, ungeröstete Cashewkerne
60 g frische Kokosraspel (es schmeckt wirklich sehr viel besser mit frisch geraspelter Nuss)
1 TL Salz
1/2 TL braune Senfsamen
1/4 TL Garam Masala
3-4 getrocknete Vogelaugen- oder sonstige scharfe asiatische Chilis, gehackt
4 EL gehacktes Koriandergrün (ich hab Petersilie genommen, da ich Koriandergrün nicht mag, war auch gut)
1 EL Bio-Kokosfett
450 g Gemüse nach Wahl und Saison, z. B. Erbsen, Möhren, Bohnen, Kohl…
1 EL Naturjoghurt

Die Nüsse mindestens 30 Minuten in heißem Wasser einweichen, danach abgießen.
Kokosraspel, Cashewkerne, Salz, Chilis und Garam Masala zu einer Paste pürieren.
Achtung, ich hab das irgendwie überlesen und nicht lange genug püriert, es sollte eine wirkliche Paste ergeben, das dauert eine kleine Weile im Mixer.
Koriandergrün hinzugeben und nochmals kurz mixen.

Kokosfett in einem Topf erhitzen, bei mittlerer Hitze die Senfsamen kurz anrösten, bis sie anfangen zu springen.
Das Gemüse zugeben und 250 ml Wasser, bei niedriger Temperatur ein paar Minuten köcheln lassen, bis das Gemüse leicht gegart ist und noch Biss hat.
Nun die Paste hinzugeben, das Curry ohne Deckel noch etwas einkochen lassen und ganz am Schluss den Joghurt noch unterrühren.

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5 Kommentare zu Die drei Köstlichkeiten der Prinzessin

  1. Gisa sagt:

    Es steckt eine Scheherazade in Dir! Ich glaube Biolek hat mal gesagt, es sei wichtig seinen Gästen immer viel über das Essen zu erzählen, dann schmecke es um so besser. Ich finde Deine Mischung aus Märchen und Kochen jedenfalls klasse, danke Dir für Deine Geschichte und wünsche Dir einen guten Rutsch!

    • Britta sagt:

      Danke liebe Gisa, das wünsche ich dir auch! Feier gut rein! Schön, dass dir die Geschichte gefallen hat, ich liebe Märchen 😉

  2. Micha sagt:

    Wir scheinen nicht nur eine sehr ähnlich gearteten Geschmack zu haben, auch ich liebe Märchen!
    Liebe Britta, ich wünsche dir eine schöne Reise durch das Jahr 2012 mit guter Begleitung, in harmonischer Stimmung und mit Leckereien zur Stärkung!

  3. Ellja sagt:

    Du erzählst schöne Geschichten… und wenn mir dann zur Krönung auch noch so ein feines Curry aufgetischt wird, kann ich nicht mehr widerstehen 🙂

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