Überfluss, Sommerfrüchte und der perfekte Tarteboden

Share

Ü̱ber·fluss

Substantiv [der]
  1. der Zustand, dass eine Menge von etwas, die viel größer ist als der Bedarf, vorhanden ist.

    „etwas im Überfluss haben“

Überfluss. Der hat mich diese Woche beschäftigt, denn mir ist mal wieder gewaltig bewusst geworden, wie gut wir es haben.

Beim wöchentlichen Einkauf nach Herzenslust aussuchen, worauf man Lust hat und überhaupt aus einer riesigen Angebotspalette auswählen zu dürfen.
Den Garten gießen und sprengen, wenn es zu trocken ist, denn Wasser ist genügend da.
Sich mit etwas Sparen einen kleinen Traum erfüllen.
In Urlaub fahren zu können, wohin man will, wann man will, andere Länder und Kulturen entdecken.
Auch wenn ich ganz sicher weit entfernt von unserer Definition von Reichtum bin, fühle ich mich doch sehr, sehr reich angesichts der vielen Flüchtlinge, Kriegsgebiete und der vielen anderen momentanen Probleme auf dieser Welt.

Auch in der Küche und der Natur herrschen momentan Überfluss, Beeren, Früchte und Gemüse sind jetzt fast überall in bester heimischer Qualität zu haben und ich komme fast nicht nach mit der Ernte im Garten.
Auch die Vögel freuen sich momentan über das Angebot, an unserem großen Kirschbaum fallen momentan regelmäßig Horden von Staren ein, die gerne etwas abhaben dürfen, denn wir kommen oben eh nicht an die Kirschen.
Und irgendetwas, das wir noch nicht definieren konnten, hat uns auch ein nettes Häufchen Kirschkernkotze im Garten hinterlassen, eine Katze war das ganz sicher nicht…

Die vielen tollen Sommerfrüchte wollte ich auf eine Tarte packen, mit einer Crème Patissière und einem knusprigen Mürbeteigboden, leider stand ich aber die ganze Zeit mit Mürbeteig auf Kriegsfuß und fand das Handling erstens immer mühsam und zweitens das Ergebnis nie ganz zufriedenstellend.
Auf meiner Suche nach Verbesserung bin ich auf den französischen Mürbeteig bei David Lebovitz gestoßen, das Rezept ist von Paule Caillat.

Keine eiskalten Butterflöckchen schnell mit dem Teig verkneten? Heiße, braune Butter, zu der noch Wasser und Öl zugefügt wurde, einfach mit dem Mehl verrühren? Ohne Kühlzeit und Ausrollen?
Hä?
Der Teig wirft alle gängigen Regeln zu Mürbeteig einfach über den Haufen.
Und überrascht mit einem perfekten Ergebnis in minimaler Zeit – endlich mal ein ultimativ knuspriger, buttriger Mürbeteig mit einem tollen Geschmack, der von der vorher gebräunten Butter herrührt.
Für mich ein neuer heiliger Gral, der toll mit ein wenig Creme und frischen Früchten zur Geltung kommt, aber auch eine herzhafte Variante kann ich mir sehr gut vorstellen.
Mein Mürbeteig und ich, wir haben uns gefunden.

Überfluss.
Kirschen, Johannis-, Blau- und Himbeeren, Pfirsiche, Aprikosen.
Alle meine Lieblingsfrüchte. Alle auf einer Tarte mit so perfektem Boden!
Grund genug, einfach mal ein bisschen glücklich und vor allem dankbar zu sein.

Für die Crème Patissière (am besten am Vortag oder zumindest ein paar Stunden vorher herstellen):
350 ml Vollmilch mit dem Mark einer Vanilleschote aufkochen lassen, leicht abkühlen lassen.
4 Eigelb mit 100 g Zucker verquirlen, 50 g Mehl unterrühren.
Eigelb-Zucker-Mischung ganz langsam und vorsichtig erhitzen und nach und nach die Milch einrühren, bis eine dicke Creme entsteht.
Abkühlen lassen und mindestens 4 h im Kühlschrank aufbewahren.

Für den Mürbeteig (die Menge hat bei mir ziemlich genau für eine eckige Form von 34 x 11 cm gereicht):
90 g Butter, in Stücke geschnitten
1 TL neutrales Pflanzenöl
3 TL Wasser
1 TL Zucker
1 Prise Salz
150 g Mehl (ich habe hier noch 2 EL Zucker zugefügt, da ich den Teig etwas süßer wollte)

Backofen auf 210° vorheizen. Alle Zutaten bis auf das Mehl in einen kleinen, feuerfesten Topf geben. Wenn der Ofen die Temperatur erreicht hat, den Topf für genau 15 Minuten hineinstellen. Die Butter wird anfangen zu blubbern und leicht bräunen.
Den Topf herausnehmen (Achtung, kann etwas spritzen jetzt!) und mit einem Holzlöffel das Mehl unterrühren, bis sich die Zutaten gut verbunden haben.
Den Teig in die Tarteform geben und mit einem Spatel o.ä. etwas glattstreichen. Wenn er kühl genug zum Anfassen ist, den Teig einfach mit den Fingern gleichmäßig in die Tarteform drücken/verteilen. Mit einer Gabel mehrfach einstechen.
Nun noch mal 15 Minuten bei gleicher Temperatur im Ofen backen. Fertig? Fertig!

Die Creme daraufgeben und mit Früchten nach Geschmack belegen.

Print Friendly

Mehr davon!

Share
Dieser Beitrag wurde unter Dessert, Gebäck, Kuchen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Kommentare zu Überfluss, Sommerfrüchte und der perfekte Tarteboden

  1. Das glaube ich sofort, dass das eine perfekte Tarte geworden ist. Und der Anblick ist ein Traum!
    Mit der Variante, eiskalte Butter mit Mehl zu verbröseln, bin ich auch nie zurecht gekommen. In der Schule habe ich noch gelernt, dass man die Butter mit der groben Gemüsereibe direkt ins Mehl reibt, damit komme ich klar. Und dann hat mit mein Zuckerbäcker-Freund eine andere französische Variante genannt, da wird das Mehl mit zimmerwarmer Butter verrührt, was auch sehr gut klappt. Nun werde ich auch noch deine Methode ausprobieren. Man kann nie genug Teigvarianten haben. 😉

  2. Eline sagt:

    Reich fühle ich mich auch, Geld spielt dabei eine geringere Rolle als andere Schätze, wie Freunde, sicheres Umfeld und gute Ressourcen.
    Eine tolle Form hast du da.Wenn ich eine Kuchenbäckerin wäre, hätte ich die auch gerne. Obwohl, man kann sicher auch perfekte Quiches darin backen!
    Mürbteig find ich watscheneinfach, man muss ihn nur relativ schlampig versrbeiten. Und lange ausbacken, bis die Butterim Teog karamellisiert. Wahrscheinlich erzieltman mit der Bräunung der flüssigen Butter einen ähnlichen Effekt.

    • Britta sagt:

      Die Form hat auch noch so einen herausnehmbaren Boden, damit geht alles ganz einfach heraus 🙂 die Tarte habe ich übrigens nicht dieses Wochenende gemacht, sondern letztes schon… ich war heute mal herrlich faul, obwohl ich gerade 1000 Ideen habe, aber keine Lust auf Umsetzung 😉

  3. Micha sagt:

    Für Gärtner ist jetzt eine der schönsten Zeiten im Garten – auch wenn wir wieder bereits sehr mit Gießen gefordert sind.

    Und ja, ich gebe dir recht: wir leben im Speckgürtel dieses Planeten. Wen wundert es also, dass nun so viele Menschen zu uns drängen. Sie fliehen nicht nur vor Krieg und Zerstörung, sondern auch vor Hunger und Ermangelung. Dass wir – und vorallem die Politiker – immernoch nicht in der Lage sind, uns als EINE Erde zu denken, das kann einen zutiefst traurig stimmen.

    Wie gut, dass deine schönen Bilder auf andere Gedanken bringen!

    • Britta sagt:

      Da hast du Recht, momentan ist nur ein bisschen Unkrautentfernung, Gießen und vor allem Ernten angesagt, das ist sehr schön 🙂

  4. Julia sagt:

    Halleluja! Das könnte auch mein Mürbteigrezept werden… Mir geht es nämlcih ganz ähnlich wie Dir, der Teig und ich haben uns lange genug nicht verstanden. Ich glaub, ich hab irgendwann zu viel über das, was man nicht tun sollte, gelesen und seitdem gings mit der „Mürbigkeit“ und mir bergab. Der Teig wird also auf jeden Fall probiert, vielen Dank für das Rezept!

  5. Anna C. sagt:

    Zwar kann ich ganz gut mit Mürbeteig, trotzdem, für neue Varianten bin ich immer zu haben. Und eine die fix fertig ist, sowieso….

  6. Sandra Gu sagt:

    Was für eine leckere Tarte! Ich war auch ganz begeistert am Wochenende auf dem Markt – welche eine Auswahl und alles aus der Region. Das Rezept nehme ich mal mit, habe noch ein paar Beeren und Kirschen übrig 🙂

    PS: Deine Kirschkernkotze ist sicherlich die Ausscheidung eines Marders, haben wir hier auch immer 😉

    • Britta sagt:

      Hab ich im Net auch gefunden… Marder oder Igel, ich wünsch mir ja immer noch, dass es ein Igel war, der dann im Brennholzlager wohnen darf und ganz viele Schnecken frisst 😀 Igel mag ich total.

  7. Eva sagt:

    Der Überfluss betrübt mich oft (wie so vieles andere), aber deine wunderschöne Tarte bringt mich glatt zum Lächeln und obwohl ich auch keine Schwierigkeiten mit Mürbeteigen aller Art habe, werde ich deinen Mürbeteig gewiss testen! 🙂

  8. cookingdaddy sagt:

    Ein toller Bericht mit tollen Fotos. Das schreit ja gerade förmlich „nachmachen in glutenfrei“.

    Vielen Dank für die Erinnerung, wie gut es uns eigentlich wirklich geht und auf welch hohem Niveau wir jammern. Und Vielen Dank für die tollen Fotos.

    Gruß, cookingdaddy

    • Britta sagt:

      Danke für die Blumen 🙂 ich hoffe, der Teig funktioniert auch glutenfrei… da hab ich nicht so die Erfahrung 😉 wünsche gutes Gelingen!

  9. Katharina sagt:

    Was, so einfach? Unglaublich, das muss ich probieren. Obst ist momentan ja wirklich genügend da. – Und das mit dem Überfluss ist auch so eine Sache, die mich ganz oft nervt. Die Sachen, die täglich vorhanden sind für unser aller Auswahl und dann doch nicht genommen werden …. dieses Weggewerfe geht mir total über die Hutschnur. Ich beschäftige mich beruflich mit dem „Abfall“, der sich in vielerlei Hinsicht weiter verarbeiten lässt, aber dass es überhaupt dazu kommt, in solchen Größenordnungen, das ist nicht zu fassen. LG

    • Katharina sagt:

      Doppelte Menge für eine runde Tarteform? 🙂

      • Britta sagt:

        Hm… weiß nicht genau… wie groß ist denn die Form 😀 (Durchmesser?)

        • Katharina sagt:

          Ist eine 26er. Habs mit der doppelten Menge versucht und es war ein wenig zu viel. Außerdem ist der Boden kaputt gegangen, als ich ihn rausholen wollte (heul). Dann habe ich – weil die Creme so lecker war (echt der Hammer) – alles wieder in die Tarteform gedrückt (ehem …) und die Creme draufgestrichen und das Obst hübsch arrangiert. Voila, sah fast so schön aus wie bei Dir. War nur sehr umständlich mit dem Servieren und ich musste mich vor dem Kaffee bei allen entschuldigen – hinterher war die Familie aber glücklich und der Kuchen wurde trotz Matschigkeit gelobt 🙂 Ich versuch das noch mal, vor allem weil ich festgestellt habe, dass wir auch noch eine eckige Form in der richtigen Größe haben. Die hatte ich einfach nicht auf dem Schirm.

          • Britta sagt:

            Hast du keine Form mit so einem herausnehmbaren Boden? Die sind echt eine Investition wert 😉 ich hab keine anderen mehr…

  10. Maria Potthoff sagt:

    Richtig toll geschrieben! Und die Fotos sind genial, ich wünschte ich hätte auch so eine gute Kamera 🙂 So eine Tarte ist bei dem Wetter bestimmt ne tolle Sache, besonders bei dem frischen Obst, was es im Moment ja auch im Überfluss gibt! Liebe Grüße 🙂

    • Britta sagt:

      Zur Kamera gibt es ein schönes Zitat von Helmut Newton 😉
      Helmut Newton im Restaurant:
      Der Koch: „Ihre Fotos gefallen mir, Sie haben bestimmt eine gute Kamera.“
      Newton nach dem Essen: „Das Essen war vorzüglich – Sie haben bestimmt gute Töpfe.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.